Moderation: Oliver Sollbach und Karin Proell, ADFC
In den Ländern Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das Mountainbiking inzwischen ein wichtiger Wertschöpfungsfaktor – gerade auch aufgrund der ausgefeilten Wegweisung. Ursprünglich zur Überbrückung der Sommermonate in den alpinen Skigebieten gedacht, hat sich das Mountainbiking inzwischen zu einem eigenen touristischen Handlungsfeld entwickelt. In den drei Nachbarländern gibt es sowohl Ähnlichkeiten als auch Unterschiede in der Praxis der Wegweisung. Der Bogen der Vorträge reicht von der rechtlichen Verankerung der integrierten Mountainbike-Wegweisung in der Schweiz über die Entwicklung von amtlichen Bestimmungen in Deutschland bis hin zu Einzellösungen im Bundesland Kärnten. Europäische Daten zum MTB-Tourismus runden die Informationen ab.
Impulsvorträge – Beispiele aus Österreich, Deutschland und der Schweiz
1.) „Ausrichtung des MTB-Tourismus in Europa“
Dr. Dennis Hürten
Dr. Dennis Hürten hat an der Universität Köln Geographie studiert. Sowohl in seiner Diplomarbeit als auch in der anschließenden Dissertation widmete er sich dem Thema Fahrradtourismus. Im Jahre 2006 gründete er das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Trendscope (www.trendscope.com) in Köln. Schwerpunktmäßig beschäftigt er sich mit den Themen Tourismusberatung, Konzept- und Strategieentwicklung, Produkt- und Konzepttests, Marken- und Imageanalysen sowie Pricing. Darüber hinaus ist Dr. Hürten bei Trendscope für die Marktstudie „Radreisen der Deutschen“ zuständig, die seit dem Jahr 2008 regelmäßig durchgeführt wird und den deutschen Radreisemarkt repräsentativ beschreibt. Zudem führt er mit seinem Team seit dem Jahr 2007 die ADFC Radreiseanalyse durch. Dr. Hürten ist als Mitglied im Fachausschuss Tourismus des ADFC Bundesverbands aktiv und seit 2007 zudem an verschiedenen deutschen Hochschulen als Lehrbeauftragter tätig.
2.) "Mountainbike-Tourismusentwicklung in Kärnten - ein Aufholprozess mit aussichtsreicher Perspektive"
Dr. Hannes Slamanig
Dr. Hannes Slamanig ist Tourismusbeauftragter des Landes Kärnten. Zu den Hauptprojekten gehören die Drauradweg-Kooperation (Südtirol – Osttirol – Kärnten – Slowenien – Kroatien), Kultur- und Familientourismusinitiativen oder fachliche Anbahnung wirtschaftlicher Beziehungen mit Alpen-Adria-Partnern.
Seit Mai 2009 ist Hannes Slamanig dienstlich mit der Gesamtentwicklung der touristischen Initiative "Radland Kärnten" befasst. Neben der Betreuung von Familienradwegenetzen an Kärntens Flüssen und Seen, der Vernetzung von EU-Leaderprojekten in diesem Zusammenhang und der Verknüpfung von Angebotsentwicklung und Marketing bildet die landesweite Standardisierung von Mountainbike-Routensystemen einen aktuellen fachlichen Schwerpunkt. Dabei geht es um die einheitliche Vertrags-, Versicherungs- und Beschilderungsgestaltung für rund 3.000 km touristisches Mountainbike-Wegeangebot in Österreichs südlichstem Bundesland. Da anders als in Salzburg und Tirol (rund 15- bis 20-jähriger Entwicklungsvorlauf seit Beginn der 90er Jahre) in Kärnten erst seit zwei Jahren eine solche zentrale Koordinationsstelle für den Fahrradtourismus eingerichtet wurde, besteht hier ein beträchtlicher Aufholbedarf. Slamanig bringt dabei seine weitreichenden Erfahrungen in der Regionalpolitik (Nationalparks, EU-Programme, Alpen-Adria-Tourismusnetzwerke) ein.
3.) „MTB -Wegweisung zwischen Harz und Alpen - zukünftig einheitlich?!“ - Vorstellung des neuen Merkblattes zur Mountainbike-Wegweisung
Karin Proell
Von 2006 bis März 2011 war die Geografin und Verkehrsplanerin Karin Proell für die Aufgaben der Koordinierungsstelle für die radtouristische Infrastruktur bei der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein verantwortlich. Ihre Schwerpunkte lagen dort auf der Erstellung und Pflege digitaler Radwegdaten für Schleswig-Holstein – im GIS und als GPS-Daten sowie in der Beratung der touristischen Partner im Land. Seit März 2011 hat Karin Proell das Projektmanagement Radtourismus im Rahmen des Projektes Radland Niedersachsen bei der TourismusMarketing Niedersachsen GmbH in Hannover übernommen. Karin Proell ist zudem Leiterin des ADFC-Fachausschusses Fahrradtourismus und federführend an der Erstellung des Merkblattes für die Mountainbike-Wegweisung beteiligt.
4.) „Signalisation in Graubünden“
Peter Stirnimann
Peter Stirnimann ist diplomierter Bauingenieur ETH und seit gut 15 Jahren in Graubünden, dem mit 7‘104 Quadratkilometern größten Schweizer Kanton, für den Langsamverkehr tätig. Er begleitete die Erfolgsgeschichte des touristischen Radfahrens in Graubünden seit den Anfängen Mitte der neunziger Jahre mit der Schweiz weit einheitlichen Routensignalisation für das Veloland Schweiz. In einer Normenkommission arbeitete er am grundlegenden Konzept einer für Radfahren, Mountainbiken und Wandern abgestimmten Signalisation mit, welche mit der Norm SN 640 829, Signalisation Langsamverkehr, im Jahr 2006 Schweiz weit Gültigkeit erlangte. Als Leiter der Fachstelle Langsamverkehr im Tiefbauamt Graubünden ist Peter Stirnimann zuständig für mittlerweile 10‘000 km Wanderweg, 4000 km Mountainbikerouten und 400 km Radwanderwege. Er ist auch Vorstandsmitglied der Velokonferenz Schweiz.
Das wohl wichtigste Grundlagenpapier für die Signalisation des Langsamverkehr in der Schweiz ist die Norm SN 640 829, Signalisation Langsamverkehr, des Schweizerischen Verbandes der Straßen- und Verkehrsfachleute. Diese 2006 erschienene Norm hat sich in der Praxis sehr gut bewährt. Sie ermöglichte die Durchsetzung einer einheitlichen Signalisation des Langsamverkehrs in den 26 Kantonen und im Fürstentum Liechtenstein, was wiederum die Voraussetzung für die Realisierung von SchweizMobil mit einem einheitlich signalisierten Routennetz für das Wandern, Radwandern, Mountainbiken und Inline Skaten war. Für den Kanton Graubünden, der wirtschaftlich sehr stark vom Tourismus abhängt, spielen die verschiedenen Formen des Mountainbikens im Sommertourismus eine zunehmend wichtigere Rolle, und damit auch die verschiedenen Aspekte der Signalisation und der Routeninformation.
5.) Umsetzung des ADFC-Leitfadens zur MTB-Wegweisung am Beispiel der MTB-Strecke an der Oberweißbacher Bergbahn im Thüringer Schiefergebirge
Das 2011 aktualisierte und überarbeitete „Merkblatt zur Mountainbike-Wegweisung“ des ADFC stellt erstmals eine vereinheitlichte und standardisierte Form der MTB-Wegweisung in Deutschland dar. Diese wurden analog zu den Inhalten des „Merkblattes zur wegweisenden Beschilderung für den Radverkehr“ der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) verfasst. Mit der Ausweisung einer 7,4 km langen MTB-Strecke entlang der Oberweißbacher Bergbahn im Schwarzatal/Thüringer Schiefergebirge gelang es erstmals, die Standards des „Merkblattes zur Mountainbike-Wegweisung“ umzusetzen. Die Verknüpfung der bestehenden Standards durch die FGSV mit der neuen Wegweisung für MTB-Strecken wir anhand des Beispiels exemplarisch dargestellt.
Thomas Fitzke
Thomas Fitzke studierte Geografie, Politikwissenschaft und Pädagogik mit dem Schwerpunkt Physische Geografie an der Universität Erfurt. Als Geograf arbeitete er mehrere Jahre in verschiedenen Projekten insbesondere im Bereich der Bodenkunde und Geomorphologie u. a. auch in der Arabischen Wüste. Nach dem Referendariat konzipierte er für die Firma ALPSTEIN Rad- und Wandertouren in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Auf der Insel Rügen leitete er für 4 Jahre das geologisch-montangeschichtliche „Kreidemuseum Gummanz“. Mit einer Zwischenstation an der FU Berlin kehrte Thomas Fitzke 2008 wieder in seine Heimat Thüringen zurück und arbeitet seitdem als Projektmanager Infrastruktur Rennsteig beim Regionalverbund Thüringer Wald e.V.
Zu seinen Hauptaufgaben zählt die radtouristische Entwicklung der Mittelgebirgsregion Thüringer Wald und Thüringer Schiefergebirge insbesondere die Entwicklung von Angeboten für die Zielgruppe der Mountainbiker.

Ulrike Saade
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